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Polytechnikum in Athen akut räumungsbedroht

libertär 24.12.2008 14:47 von http://de.indymedia.org/2008/12/237329.shtml

Polytechnikum in Athen akut räumungsbedroht, weitere Demonstrationen und Besetzungen
Erklärung der Vollversammlung des besetzten Polytechnikums in Athen 23.12.2008
NO PASARAN!
Während einer Vollversammlung im besetzten Polytechnikum wurde uns von verschiedenen Politikern und Funktionsträgern der Universität die Forderung des Innenministers und der Polizei überbracht, wir sollen sofort freiwillig abziehen, andererseits werde die Polizei das Hochschulasyl brechen und die Besetzung räumen.
Auf der Basis dieser neuen Gegebenheiten ist die Antwort der BesetzerInnen, dass das Polytechnikum weder dem Innenministerium noch der Polizei – also den Mördern von Aléxandros Grigorópoulos – oder sonst wem gehört, dem wir es übergeben könnten.
Das Polytechnikum gehört den Aufständischen und wir werden es erst dann verlassen wenn wir uns dazu entscheiden. Nicht mit Drohungen oder Ultimaten sondern einzig und alleine nach den Kriterien der Bewegung, nach den Erfordernissen des gesellschaftlichen Kampfes.
NO PASARAN!
Wir rufen für den 24.12. um 16 Uhr zu einer Solidaritätskundgebung mit den Verhafteten am Monastiráki Platz auf. Treffpunkt zum gemeinsamen Abmarsch ist 15 Uhr am Polytechnikum.
Wir laden zur Vollversammlung im Polytechnikum um 20 Uhr am 24.12.

Schon am 22.12. gab es erste Gerüchte, dass eine Räumung des Polytechnikums bevorstehe. Die Hochschulkremien und der Rektor weigerten sich jedoch ihre Zustimmung zur Aufhebung des Hochschulasyls zu geben. Die BesetzerInnen des Zentralgebäudes der GSEE (Allgemeiner Gewerkschaftsbund Griechenlands) beschlossen daraufhin in einer Vollversammlung die Auflösung ihrer Besetzung und zogen mit 500 Personen gemeinsam zum Polytechnikum.
Auch gestern zog sich die Polizei nach Stunden zurück, da mehrere hundert Menschen die Besetzung verstärkten. Es wird davon ausgegangen, dass weitere Räumungsversuche in den nächsten Tagen folgen werden.

- 23.12. Großdemonstration von 5000 Menschen – vor allem StudentInnen und SchülerInnen – im Zentrum von Athen, kleinere Scharmützel mit der Polizei.
- Demonstrationen in den Stadtteilen und mehreren anderen Städten.
- 24.12. Besetzung eines Radiosenders in Volos, Besetzung der lokalen Tageszeitung Thessalía in Volos, Demonstration in Volos

Zur Situation am Polytechnikum in Athen

Zwei Artikel von http://tearsandangergreece.blogsport.de/

Der Rückschlag der Normalität soll nirgendwo gelingen, weder am Polytechnikum noch anderswo!

Sunday, December 21, 2008
(Erklärung der Besetzer_innen des Polytechnikums)

Von Samstag, den 20. Dezember an, in Folge der Riots um das Polytechnikum, die Teil waren der dutzenden Zusammenstöße zwischen Cops und Demonstrant_innen, die der Tötung des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos folgten, gab es viele Spekulationen über die Besetzung des Polytechnikums/Athen.

Kontinuierliche Informationen über eine mögliche Räumung des bestezten Polytechnikums, kombiniert mit der Taktik der Cops während der Zusammenstöße ließen nur eine Annahme zu:
Die Cops bereiten sich auf eine Räumung des Polytechnikums vor.
Den Uni-Senat übergehend, das Polytechnikum den Cops und dem Ministerium für Inneres überlassend, schickte uns der Justizminister die indirekt klare Nachricht, voll mit Drohungen und Erpressungen, dass wir nur noch “einige Stunden” hätten.

Wir antworten ihnen, in dem wir sagen, dass uns so viel Zeit bleibt, wie der revoltierende Teil der Gesellschaft es entscheidet und das sie keine Ultimaten akzeptiert. Das sie besser die, die an den Praktiken der Revolte teilnahmen und teilnehmen werden respektieren und fürchten.
Dies sind genau die tausenden Revoltierenden, Student_innen, Arbeiter_innen, Arbeitslose, Migrant_innen und Genoss_innen die wir zu Alarmbereitschaft am Campus des Polytechnikums aufrufen, um auf die kommende Räumung vorbereitet zu sein.

-Wir rufen jede_n zu massenhafter Präsenz am Polytechnikum auf
-Wir rufen zu einer offenen Versammlung, heute, am 21.12. um 21.00 Uhr auf
-Wir rufen zu einem Konzert der Solidarität und der finanziellen Unterstützung der Inhaftierten um 18:00 am Polytechnikum auf

Wir sollen das letzte Wort haben
Diese Tage und Nächte gehören Alexis

Athens Polytechnic Occupation
21/12/2008

22.12.08, 09:19: Ruhige Nacht am Polytechnikum, heute Solikonzert

Die Nacht war ruhig am Polytechnikum. Wie die Mainstream-Medien berichten wurde das akademische Asyl bereits aufgehoben – was heißt das die Cops nun nur noch entscheiden müssen, wann sie räumen. Bis jetzt war es so, dass das Gesetz, das den Cops das Betreten des Campusses verbietet nur nach einer expliziten Entscheidung des Uni-Senates umgangen werden kann.
Allerdings kann einem Gesetzeszusatz zu folge auch ein Justizminister das Gesetz kippen, sollten auf dem Gelände der Uni verbrechen verübt werden. Dies kann er innerhalb von 48 Stunden nach der Tat. Da die schwersten Auseinandersetzungen Samstag Nacht passierten (Mollies flogen – ein Verbrechen!), haben sie bis heute Nacht, um die Uni zu räumen.
Die Entscheidung, die die Generalversammlung der Besetzung traf, trifft es auf den Punkt: Wir und nicht die Cops entscheiden, wann wir gehen.

Unterdessen wurde gestern das besetzte Gewerkschaftshaus GSEE an die GSEE zurückgegeben, dies hatte die dortige Generalversammlung der Besetzer_Innen so entschieden.
Mehr später.

Wir sind Hier, Wir sind Überall, Wir sind ein Abbild der Zukunft…

gefunden in der deutschen Indymedia

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11/12/2008
Initiative der Besetzung der “Athens School of Economics and Business“
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If I do not burn
If you do not burn
If we do not burn
How will darkness come to light?

(Nazim Hikmet, “Like Kerem”)

Ängstlich und mit zusammengebissenen Zähnen heulen die Hunde: Nun kehrt zur Normalität zurück – das Narrenfest ist vorüber. Die Philologen der Assimilation, graben schon ihre Messerscharfen Liebkosungen hervor: „Wir sind bereit zu vergessen, zu verstehen, die Promiskuität dieser wenigen Tage auszutauschen, aber nun benehmt euch, oder wir schicken unsere Soziologen, unsere Anthropologen, unsere Psychiater! Wie gute Väter haben wir mit Beherrschung euren emotionalen Ausbruch toleriert – nun schaut, die klaffende Leere der Schreibtische, Büros und Läden! Es ist Zeit zurückzukehren, und wer auch immer diesen heiligen Befehl verweigert, den soll es hart treffen, der soll soziologisiert werden, soll psychiatrisiert werden. Eine Anordnung schwebt über der Stadt: „Bist du an deinem Posten?“ Demokratie, soziale Harmonie, nationale Einheit und all die anderen grossen Herde, nach Tod stinkend, strecken sie bereits ihre leichenblassen Arme aus.

Macht (von der Regierung bis zur Familie) zielt nicht bloss auf die Unterdrückung des Aufstands und seiner Generalisierung, sondern auch auf die Produktion einer Subjektivierung. Eine Beziehung die die Lebensform (bios) definiert, also das politische leben, als Sphäre der Kooperation, des Kompromiss und Konsens. “Politik ist die Politik des Konsens; der Rest sind Banden-Kriege, Aufstände, Chaos.“ Das ist die wahre Übersetzung dessen was sie uns erzählen, von ihrer Anstrengung den lebendigen Kern jeder Aktion abzuerkennen, und uns zu separieren, zu isolieren von dem was wir tun können: nicht die Vereinigung von Zwei zu Eins, sondern das Eine immer, und immer wieder in Zwei zu reissen. Die Bürokraten der Harmonie, die Barone von Ruhe und Frieden, Gesetz und Ordnung, rufen uns dazu auf, dialektisch zu werden. Aber diese Tricks sind verzweifelt und alt, ihr Elend ist durchsichtig in den dicken Bäuchen der Handels-Union Bosse, in den ausgewaschenen Augen der Vermittler, die wie Geier über jeder Negation hocken, über jeder Leidenschaft für das Wirkliche. Wir haben sie im Mai gesehen, wir haben sie in LA und Brixton gesehen, und wir beobachten sie schon seit Jahrzehnten wie sie die langen nun weissen Knochen der 1973er “Polytechnic“ lecken. Wir haben sie gestern wieder gesehen, als sie, anstatt einen permanenten Generalstreik auszurufen, sich der Legalität beugten, und den Streik-Protest Marsch absagten. Denn sie wissen alle nur zu gut, das der Weg zur Generalisierung des Aufstands, durch das Feld der Produktion führt – durch die Besetzung der Produktionsmittel dieser Welt die uns nieder drückt.

Morgen bricht ein Tag heran, und nichts wird mehr das Gleiche sein. Was kann befreiender sein als dies, nach so vielen Tagen der Gleichheit? Eine Kugel war nötig, um die brutale Abfolge dieser Identischen Tage zu durchbrechen. Der Mord an einem 15 jährigen Jungen war der Moment, in dem eine Loslösung statt fand, stark genug um die Welt auf den Kopf zu stellen. Eine Loslösung von dem warten auf andere Tage, zu einem Punkt, an dem so viele gleichzeitig dachten: „Das war es, kein Schritt weiter, alles muss sich ändern, und wir werden es verändern.“ Die Rache für den Tod von Alex, wurde zur Rache für jeden einzelnen Tag, gezwungen in dieser Welt aufzuwachen. Und was so schwierig schien, stellte sich als simpel heraus.

Dies ist was passierte, und was wir haben. Wenn uns etwas Angst macht, dann ist es die Rückkehr zur Normalität. In den Zerstörungen und Plünderungen unserer ach so heilen Städte sehen wie nicht nur das offensichtliche Resultat unserer Wut, sondern auch die Möglichkeit zu leben zu beginnen. Uns bleibt nichts anderes mehr zu tun, als uns zu installieren in der Möglichkeit und sie in ein lebendes Experiment umzuwandeln: Angefangen beim alltäglichen Leben, unserer Kreativität, der Macht unsere Wünsche zu materialisieren, der Macht die Wirklichkeit nicht zu betrachten, sondern zu konstruieren. Dies ist unser lebenswichtiger Raum. Alles andere ist Tod.

Die die verstehen wollen, werden verstehen. Jetzt ist die Zeit, die unsichtbaren Zellen zu durchbrechen, die alle und jeden an ihre kleinen pathetischen Leben ketten. Und dies fordert nicht einzig oder notwendigerweise jemanden eine Polizei Station anzugreiffen oder Einkaufszentren und Banken abzufackeln. Die Zeit sein Sofa zu verlassen, die passive Betrachtung des eigenen Lebens, und auf die Strasse zu gehen, um zu sprechen und zu hören, alles private hinter sich zu lassen, sich zu involvieren in die sozialen Beziehungen; die destabilisierende Kraft einer Atombombe. Und dies ist genau, da die Fixierung eines jeden (bis jetzt) auf seinen Mikrokosmos wie an die Anziehungskraft eines Atoms gebunden ist, die Kraft, welche die (kapitalistische) Welt umkehren wird. Das ist das Dilemma: Mit dem Aufständischen oder alleine. Und dies ist einer der wirklich wenigen Momente, in denen dieses Dilemma so Absolut und so Real sein kann.

“Αλεξανδρε Ζεις!” – “Alexandros, Du lebst!” … ein Hintergrundbericht zur Situation in Griechenland

Diesen Bericht habe ich hier gefunden

Den folgenden, recht persönlich gefärbten Hintergrundbericht zur Situation in Griechenland schickte uns gestern Marcel Bathis, ein Frankfurter Gewerkschaftsaktivist mit familiären Bindungen nach Griechenland. Er erklärt plausibel die anhaltende Wut der griechischen DemonstrantInnen auf Polizei und Staat und straft das haltlose Stottern aus den Kommentaren der deutschen “Leitmedien” Lügen. [..]

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde,

seit Tagen gehen Bilder aus Griechenland um die Welt die ein Land im Aufruhr zeigen und einen Staatsapparat der die Lage nicht mehr im Griff hat, weil die herrschende Klasse sehr wohl weiß das ein härteres durchgreifen eine noch härtere Gegenreaktion provozieren würde.

Ich habe im Griechischen (Privat)-Fernsehen die Augenzeugen gesehen die übereinstimmend gesagt haben, dass der Polizist gezielt auf die Gruppe jugendlicher Anarchisten geschossen hat und keinesfalls in die Luft bzw. auf den Boden wie er behauptet oder es ein “ballistisches Gutachten” der Polizei nun bestätigt. Diese Augenzeugen sehen allesamt aus wie griechische Normalbürger, also keinesfalls Mitglieder oder Sympathisanten der griechischen Anarchisten, die zahlreich in Exarchia (Ein linkes Szeneviertel im Zentrum Athens) wohnen. Selbst der griechische Staatspräsident Papoulias (Sozialist) spricht inzwischen von “Mord” und es geht eine Welle der Empörung durch das Land, deren sichtbarster Ausdruck die Zerstörungswut einiger Tausend Jugendlicher ist!

Es lag schon seit geraumer Zeit eine menge Benzin auf den Straßen Griechenlands und es brauchte nur eines Funken um ihn zu entzünden. Dieser Funken war die Ermordung des 15 jährigen Alexis durch einen Athener Polizisten, der im Kollegenkreis gerne auch mal “Rambo” genannt wurde und aufgrund seiner Blödheit wohl keinen anderen Job und aufgrund guter “Beziehungen” seiner Familie zu irgendeinem Politiker der ND oder der PASOK ein “warmes” Plätzchen im Staatsatsapparat fand und es ihm mit Loyalität und Wählerstimmen seiner Familie dankt.
Womit ich zu einem der Grundprobleme der griechischen Verhältnisse komme, der allgemein weit verbreiteten Korruption und Vetternwirtschaft, das sogenannte “Rousfeti” (Aus dem türkischen für “Geschenk). “Rousfeti” heißt nichts anderes, als das was üblicherweise in der Mafia läuft.

Der “Don” , der Pate (In diesem Falle ein mächtiger Provinzpolitiker oder sogar Parlamentsabgeordneter) verschafft seinen Anhängern einen ökonomischen oder beruflichen Vorteil und sichert sich damit die Loyalität derselben.
An der Spitze dieses Systems stehen seit 6 Jahrzehnten 3 Familien: Die Papandreous(”Sozialisten”), Karamanlis(konservativ) und die Mitsotakis(konservativ).

Mit Außnahme der Zeit der Militärjunta die von 1967-1974 herrschte und vom CIA gefördert wurde, hat (fast) noch niemand anderes Griechenland regiert. Auf diese Weise hat sich der Staatsapparat zum wichtigsten Arbeitgeber entwickelt und fast 50 % aller Beschäftigten arbeiten im öffentlichen Sektor (Verkehr, Verwaltung, Energie, Wasser, Erziehung, Sicherheit, usw.).
Wer einen Job im öffentlichen Dienst ergattert hat lebt zwar nicht üppig, aber immer noch besser als der Durchschnitt der Bevölkerung der sich mit 400-700€ im Monat durchschlagen muss.
So wie in Deutschland das Wort der “Generation Praktika” die Runde macht spricht man in Griechenland von der “700€-Generation”
Eine meiner Cousinen ist gelernte Krankenschwester und lebt als aleinerziehende Mutter in Thessaloniki und mus sich und ihre Tochter mit 800 € im Monat durchschlagen. Die Preise in Griechenland haben fast deutsches Niveau und viele Artikel sind sogar teurer als hier. 20 % der Bevölkerung leben unter der offiziellen Armutsgrenze und 23 % der Jugendlichen unter 25 Jahren sind erwerbslos,welches die höchste Quote in Europa darstellt.
Jede griechische Familie muss einen nicht unerheblichen Teil des Einkommens für “Frondistiria= Nachhilfeschulen” aufwenden damit die Kinder es durchs Gymnasium und durchs Lyzeum schaffen, bzw. die Aufnahmeprüfungen für die Universitäten schaffen,weil der Zustand der staatlichen Schulen misreabel ist. Selbstverständlich wohnen diese jungen Erwachsenen in der Regel noch bei ihren Eltern und teilen sich mit ihren FreundInnen das Kinderzimmer, in denen sie aufwuchsen. Und wenn dann nach Jahren des zahlens und der teilweisen verschuldung der eltern die Sprösslinge es endlich geschafft haben einen Universitätsabschluss zu erreichen (Griechenland hat eine der höchsten Akademikerquoten in der EU) warten auf die jungen Akademiker schlechtbezahlte und prekäre Jobs die in nichts ihrem Ausbildungsstand entsprechen. Dies die Lage im Kleinbürgertum, oder unwissenschaftlich “Mittelschicht” genannt, die auch in Griechenland immer mehr zerieben wird und ins Proletariat abstürzt. Das Industrieproletariat selbst ,welches hauptsächlich auf dem Bau, den Werften und der Lebensmittel-und Textilindustrie arbeitet oder als Matrose oder Hafenarbeiter auf den zahlreichen Schiffen (die griechischen Reeder kontrollieren weltweit 25 % der Transportkapazitäten) arbeitet, sind vorallem diejenigen auf die sich die Aasgeier der bürgerlichen Gesellschaft stürzen. Es sind die Arbeiter die als einzige Steuern zahlen, weil sie keine Hinterziehungstricks anwenden können oder einen Kumpel im Staatsapparat haben. Während die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst von den Sozialdemokraten kontrolliert werden , sind es im “Privatsektor” hauptsächlich die Kommunisten die die Vorstände bilden und eine wesentlich militantere Gangart bei den Klassenauseinandersetzungen anschlagen!
In den griechischen Gewerkschaften werden Listenwahlen durchgeführt und jede politische Partei hat ihre eigene Liste. So kommt es, dass von 35 Vorstandsmitgliedern der griechischen Baugewerkschaft(mit ca. 100.000 Mitgliedern die größte Industriegewerkschaft) 27 Mitglieder der Kommunistischen Partei sind.
2-4 Generalstreiks im Jahr an denen sich ca. 50 % aller Arbeitnehmer beteiligen gehören seit Jahren zum Alltag.
Ob es um die Erhöhung des rentenalters, privatisierungen oder anderer “Wohltaten” geht, ständig erwehren sich die griechischen Arbeitnehmer ihrer Haut und verhindern durch ihren Widerstand das schlimmste!
Auf der anderen seite bereichert sich eine korrupte Qlique von Politikern und Kirchenfürsten schamlos und glänzt durch eine ganze reihe von Skandalen die für die Beteiligtgen IMMER folgenlos bleibt!
Noch drastischer als im Rest Europas geht die Schere zwischen arm und reich auseinander und das Vertrauen in die Institutionen (Staat und Kirche) schwindet bei einem immer größeren teil der Bevölkerung immer mehr!
Kaum eine Familie die nicht hoch verschuldet ist und sich mit mehreren Jobs über Wasser halten muss um Miete und täglichen lebensbedarf zu decken. Das ist die soziale Wirklichkeit im “Mutterland der Demokratie”, deren Bewohner sich täglich fragen wie oft sie noch betrogen,verarscht und ausgeplündert werden sollen von einer korrupten und inkompetenten Bande die ,die höchsten Staatsämter besetzt und kein einziges (Wahl)-Versprechen einhält.
Skrupellose Bodenspekulanten fackeln seit Jahren die griechischen Wälder ab und korrupte Minister und Behörden geben ihnen anschließend die Baugenehmigungen für Immobilienprojekte und halten fleissig die Hand auf um ihre Provision einzustreichen. Das dabei auch tausende griechischer Bauern ihre Existenzgrundlage verlieren juckt die herrschende Klasse recht wenig. Ein Arbeitsemmigrant mehr oder weniger fällt bei 7 Mio. Auslandsgriechen doch kaum ins Gewicht ,-)

Mir hat vor 6 Jahren ein junger Bauarbeiter, der gerade seinen Milirtärdienst ableistete und nebenbei erzählte wie die Kommunisten u.a Linke statt mit Daumen,Zeige und Mittelfinger(So wie die Orthodoxen ihr Kreuz machen) im Stile des “Faschistengruss” den Schwur aufs Vaterland ableisteten, lieber die Faust ballten und statt der griechischen Hymnee lieber die “Internationale” sangen! Was würde in Deutschland bei solchen Ereignissen geschehen ?
Ein Fall für den MAD!!! In Griechenland werden linksorientierte Soldaten auf einsame Inseln abkommandiert um dort das Vaterland zu schützen ;-) So kann es schon mal passieren dass von einer Einheit von 10 Soldaten auf einem ägäischen Außenposten von 10 Soldaten, 8 Mitglieder der kommunistischen Jugend, ein Linksssozialist und ein rechtsextremer ist (der die ganze zeit brav die Fresse gehalten hat weil er Angst hatte ins Meer gestoßen zu werden ) So erzählt von einem meiner Cousins der seinen Militärdienst auf einem Außenposten nahe der türkischen Grenze ableistete und davon berichtete wie ein Fischer,dessen Sohn seinen Miltärdienst auf dieser Insel ableistete, mit einer Gallone selbstgebrannten Schnapps versorgte während der einzige Faschist dieser Militäreinheit um sein Leben bangte ;-) ))

Womit ich zum Schluß meiner Ausführungen komme.

Sozialistische und kommunistische Ideen haben sehr tiefe Wurzeln im griechischen Volk und es gibt eine weit größere Empörung über die verblödeten schergen des Staatsapparates als über die Verwüstungen radikalisierter Jugendlicher. Selbst der Vorsitzende des Athener Einzelhänderverbandes hat erklärt:”Was sind unsere Sachschäden gegen den Tod eines Kindes ?”
Während ich sehen muss wie ein völlig verblödeter und reaktionärer Journalist des “ZDF” dem deutschen Publikum stotternd erklärt warum die griechische Polizei nicht auf das Universitätsgelände eindringen darf und etwas von “historisch bedingt…” daherfaselt, ohne zu sagen, dass am 17.11.1973 die Panzer der griechischen Militärjunta die proteste an der uni niederwaltzen und es ca. 80 Tote Studenten gab, erlebe ich gleichzeitig wie griechische Journalisten außer sich vor Empörung darüber berichten wie Bereitschaftsbullen wahllos auf Jugendliche und Passanten einschlagen die zufällig am falschen Ort auftauchten! DAS habe ich in deutschen Medien noch NIE erlebt!
Ich habe euch einiges vom Schatten der griechischen Gesellschaft geschrieben, aber neben dem schatten gibt es auch das Licht!

Lenin hat einmal geschrieben, dass das “Kettenglied des Imperialismus immer an seiner schwächsten Stelle reißt…!”
Nun sind ein paar zerbrochene Scheiben und ein paar ausgebrannte Geschäfte noch lange keine Revolution, aber die Kette ist an dieser Stelle schon verdammt korrodiert und brüchig geworden! In den 60 er Jahren war die Situation schon einmal ähnlich gefährlich für die herrschende Klasse und sie beantwortete ihre Notlage mit einer 7 Jahre währenden Miklitärdiktatur. Könnt ihr einen solchen Weg 100 % auschließen?

Ich schließe lieber keine wetten ab, sage aber, dass die Kapitalisten im “Notfall” IMMER zum Mittel der Diktatur greifen werden um ihre Herrschaft abzusichern!

Wir sind hier, wir sind überall, wir sind ein Bild von der Zukunft

11/12/2008
Initiative der Besetzung der “School of Economics and Business/Athens” auf http://tearsandangergreece.blogsport.de/

Wenn ich nicht brenne
Wenn du nicht brennst
Wenn wir nicht brennen
Wie wird sich die Dunkelhei erhellen?
(Nazim Hikmet, “Like Kerem”)

Vor Angst die Zähne zusammenbeißend heulen die Hunde: Zurück zur Normalität – das Fest der Narren ist vorbei.
Die Philologist_innen der Assimilation haben bereits ihre Zugeständnisse eingeschränkt:
“Wir sind bereits zu vergessen, zu verstehen, das Wirrwarr dieser wenigen Tage zu wechselns, aber nun benehmt euch oder wir holen unsere Soziolog_innen, unsere Anthropolo_gistinnen, unsere Psychiater_innen! Wie gute Eltern haben wir, wenn auch mit Hemmungen, eure emotionale Eruption toleriert – jetzt seht, wie Büros, Tische und Ladenfenster leer bleiben! Es ist Zeit zurückzukehren, und wer die heilige Pflicht verweigert soll hart getroffen werden, soll soziologiert, soll psychiatriert werden.”
Eine Weisung schwebt über der Stadt:
“Sind sie an ihrem Platz?”
Demokratie, soziale Harmonie, nationale Einigkeit und all diese anderen nach Tod stinkenden Dinge haben längst ihre ekligen Arme ausgestreckt.

Macht (von der Regierung zur Familie) soll nicht einfach den Aufstand und seine Generalisierung behindern, sondern auch ein Verhältnis der Subjektivierung schaffen. Ein Verhältnis das die Einflüsse vordefiniert, welches ein politisches Leben ist, eine Sphäre der Kooperation, Kompromisse und des Konsens.
“Politik heißt Konsens; der Rest ist Bandenkrieg, Riots, Chaos!”.
Das ist eine wahre Übersetzung von dem was sie uns erzählen, von ihren Bemühungen jede Aktion in ihrem kern zu delegitimieren, uns uns zu seperieren, zu isolieren von dem, was wir tun können: nicht zwei zu einem zu machen, sondern das eine immer wieder in zwei zu teilen.
Die Mandarinen der Harmonie, die Baron_innen des Friedens, der Stille, “Law and Order”, fordern uns zur Vernunft auf.
Aber diese Tricks sind Hoffnungslos veraltet, und ihre Misere ist offensichtlich in den dicken Bäuchern der Gewerkschafts-Bosse, in den ausgewaschenen Augen der Zwischenhändler, die wie Geier über jedem Widerspruch schweben, über jeder Passion zu Wahrheit.
Wir haben sie im Mai gesehen, wie sahen sie in LA und in Brixton, und wir haben sie Jahrzente lang dabei beobachtet, wie sie sich auf den mittlerweile weißen Knochen der Polytechnic 1973(Hauptort des Widerstandes gegen die Militärdiktatur..) ausruhten.
Wir sahen sie gestern wieder, als sie, anstatt den Generalstreik auszurufen, sich der Legalität beugten und ihre Demo absagten (sie fand trotzdem statt….)
Weil sie genau wissen, das der Weg zur Generalisierung des Aufstandes, der Insurrektion über das Feld der Produktion geht – über die Neubesetzung des Produktionsbegriffes dieser Welt, die uns zerstört.

Morgen ist ein Tag an dem nichts sicher ist. Und was kann befreiender sein, nach so vielen Jahren der Sicherheit, der Stabilität???
Eine Kugel hat es geschafft die Brutalität der ewig gleichen Tage zu brechen. Die Erschießung eines 15-Jährigen war der Moment, als eine Verschiebung stark genug war die Welt auf den Kopf zu stellen.
Eine Veränderung der Sichtweisen, von einem Tag auf den anderen:
“Das wars, kein Schritt weiter, alles muss sich ändern und werden es ändern!”.
Die Rache für den Tod von Alexandro wurde zur Rache für jeden Tag an dem wir gezwungen waren in dieser Welt aufzuwachen.
Und was so schwer schien erwies sich als so einfach.

Dies ist was passiert ist, was wir haben. Wenn uns etwas Angst macht, dann die Rückkehr zur Normalität. In den zerstörten Straßen unserer Städte sehen wir nicht nur die offensichtlichen Resultate unserer Wut, sondern auch die Möglichkeit, ein Leben zu beginnen. Wir haben nichts weiter zu tun als uns diese Möglichkeit anzueignen, dies in eine Lebenserfahrung zu wandeln:
Auf der Basis unseres täglichen Lebens, unserer Kreativität, unserer Kraft unsere Bedürfnisse zu materialisieren, unsere Kraft das Reale nicht zu verändern, sondern ein neues zu Konstruieren.
Dies ist unser vitaler Freiraum. Der ganze Rest ist tot.

Die, die verstehen wollen, werden dies.
Jetzt ist die Zeit aus den unsichtbaren Zellen die jede und jeden in ein pathetisches, kleines Leben zwängen.
Und das bedeutet nicht zwingend Polizeistationen anzugreifen oder Banken und Einkaufszentren anzuzünden.
Die Zeit das wir unsere Couches und unsere passive Lebensgestaltung hinter uns lassen und auf die Straßen gehen um zu reden, zu hören und alles private hinter uns zu lassen beinhaltet Beziehungen von der Kraft einer Atombombe.
Und dies liegt eben daran, das die momentane Fixierung auf den eigenen Microcosmos an die Kräfte der Atomtraktion gebunden ist.
Die Kräfte, die die (kapitalistische) Welt sich drehen lassen.
Dies ist das Dilemma: Mit den Aufständischen oder alleine.
Und dies ist einer der wenigen Momente, in denen ein Dilemma so absolut und real ist.

11/12/2008
Initiative der Besetzung der “School of Economics and Business/Athens”