Bericht aus Patra von 22.12.08

Ins Deutsche übersetzte Mail einer griechischen Freundin

GEWALT: Das ist der wahre Titel dieser E-Mail, weil…

Ich kenne die Anschuldigungen gegen uns, „die jungen Radikalen, die die Toleranz ausnutzen und ohne es zu merken Werkzeuge für globale Agenten werden, die den Aufschwung des globalen Faschismus beschleunigen wollen …“

Also, ich bin, so weit ich weiß, keine Agentin. Und ich will nicht den globalen Faschismus.
Jetzt, lass uns Gewalt definieren.

Weil ich immer alle über Gewalt gegen die Bullen und andere Symbole des Kapitalismus reden höre, aber nur wenige sprechen von der Gewalt der Bullen, der Gewalt der Armut, der Gewalt der Arbeitslosigkeit, der Gewalt der Schule, der Gewalt des Wettbewerbs, der Gewalt der Umweltverschmutzung, der Gewalt des Hungers, der Gewalt des Terrorismus, usw. Ich höre von der Gewalt des Chaos, aber kaum von der Gewalt der Ordnung. Ich höre von der Gewalt des Hasses, aber nicht von der Gewalt der Liebe.

Ich verstehe, dass Gewalt ein Weg ist, Menschen zu benutzen. Kann ich, dass Menschen Menschen benutzen, beenden ohne Gewalt? Kann ich die Gewalt beenden ohne Gewalt? Und ich weiß, dass das Ziel nicht die Mittel rechtfertigt…
[..]

Weißt du, es ist schwer zu philosophieren auf der Flucht. Ich zumindest finde es schwer, zu denken, wenn 200 Faschisten mit Messern mich jagen oder wenn meine Lungen voller chemischer Gase sind. Es ist schwer, den Überlebensinstinkt zum Denken zu bringen.
Trotzdem gibt es nicht nur den Instinkt zu überleben, sondern auch den Instinkt zu leben. Und dieser Instinkt, der zur Freiheit gehört, kann selbst denken. Das Ergebnis ist Spontaneität.

Ich bin nicht sicher, warum so viele Leute das Spontane fürchten. Seit diesen Tagen finde ich das Spontane viel schöner und mysteriöser als das Erwartete.

„Freiheit ist für die Freiheit zu kämpfen“ (sagte einer der Polen, die gestern angekommen sind… und aus einem besetzten Haus in der Schweiz kamen)

A.