Archiv für Dezember 2008

Besetzung der Athener Verkehrsgesellschaft

merry crisis and a happy new fear 27.12.2008 23:34 von http://de.indymedia.org/2008/12/237473.shtml

Besetzung der Athener Verkehrsgesellschaft (ISAP) am 27.12. in Athen – als Antwort auf Saeure Anschlag an Gewerkschafterin.

Gegen 13 Uhr besetzten rund 100 AnarchistInnen und andere linke und linksradikale Personen die Zentrale der Athener Verkehrsgesellschaft (ISAP), (vergleichbar der BVG in BERLIN) um gegen den Saeure-Angriff auf die Gewerkschafterin Constandina Couneva vom 23.12.08, den miesen Arbeitsbedingungen des Subunternehmens IKOMET, der Couneva beschaeftigt und der ISAP, die Subunternehmen wie IKOMET mit der Reinigung ihrer U-Bahnhoefe beauftragt, zu protestieren.
Athen, 27.12.2008
Besetzung der Athener Verkehrsgesellschaft (ISAP) am 27.12. in Athen – als Antwort auf Saeure Anschlag an Gewerkschafterin.

Gegen 13 Uhr besetzten rund 100 AnarchistInnen und andere linke und linksradikale Personen die Zentrale der Athener Verkehrsgesellschaft (ISAP), (vergleichbar der BVG in BERLIN) um gegen den Saeure-Angriff auf die Gewerkschafterin Constandina Couneva vom 23.12.08, den miesen Arbeitsbedingungen des Subunternehmens IKOMET, der Couneva beschaeftigt und der ISAP, die Subunternehmen wie IKOMET mit der Reinigung ihrer U-Bahnhoefe beauftragt, zu protestieren.

An der Aussenfassade wurde zwei Transparente mit der Aufschrift “Stop dem Terror der Arbeitgeber“ und “Wenn sie sich mit einem von uns anlegen – legen sie sich mit allen von uns an” angebracht waehrend auf der Strasse und ueber Indymedia das Flugblatt der BesetzerInnen, des “ Solidaritaets-Plenums fuer Constandina Couneva” verteilt wurde.
Zur Zeit tagt ein Plenum der BesetzerInnen. So berichtete u.a. eine Mitarbeiterin von Couneva von den beschissenen Arbeitsbedingungen fuer die aus Griechenland, Bulgarien und Bangladesch beschaeftigten Arbeiterinnen bei IKOMET.
Die Besetzung wird auf jeden Fall ueber Nacht dauern.
Am Sonntag, den 28.12.08 wird es um 15.00 UHR eine Demonstration vom besetzten ISAP-Gebauede zum Evagelismos-Krankenhauses, wo Constandina liegt, geben. Ueber weitere Aktivitaeten wird zur Zeit beraten. Die Bullen sind bisher nicht aufgetaucht.

Es folgt das heute verteilte Flugblatt der BesetzerInnen, das den Fall Couneva und vorherrschenden Arbeitsverhaeltnisse der Firma IKOMET genau erklaert.:

Solidaritaet mit Constandina Couneva

“Wenn sie sich mit einem von uns anlegen – legen sie sich mit allen von uns an”

Wir haben heute am 27.12.2008 die Zentrale der Athener Verkehrsgesellschaft ISAP besetzt. Wir verstehen dies als erste Antwort auf den nahezu moerderischen Schwefelsaeure-Anschlag auf Constandina Couneva vom 23.12.2008, als sie sich nach Arbeitsende auf dem Heimweg befand.
(Bei dem Angriff auf offener Strasse wurde der Bulgarin Constandina Couneva Schwefelsaeure ins Gesicht und den Koerper von Unbekannten gesprueht.)

Constandina befindet sich zur Zeit auf der Intensivstation des Evagelismos-Krankenhauses in Athen. Ihre Seh- und Atmungsorgane sind schwer beschaedigt. (Die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf einem Auge nicht mehr sehen wird, ist sehr gross und ihr Gesicht zeigt deutliche Spuren der Veraetzung)

Wer ist Constandina und warum wurde sie attackiert ?
Constandina ist eine von vielen Hunderten von MigrantInnen und ArbeiterInnen, die seit Jahren als Reinigungskraefte ueber Subunternehmen fuer die ISAP beschaeftigt sind. Sie ist Generalsekretaerin der Pan-Athenischen Gewerkschaft fuer RaumpflegerInnen in oeffentlichen und privaten Haushalten. Und sie hat sich sehr intensiv fuer die Rechte der ArbeiterInnen engagiert.
Erst vorherige Woche gab es einen erneuten Arbeitskonflikt mit der Firma IKOMET im Zusammenhang mit der Forderung nach dem 13.Monatsgehalt fuer sich und andere Arbeiterinnen.
Ihre Mutter, die ebenfalls in der Firma beschaeftigt war, wurde gekuendigt und sie selbst wurde an einem anderem Arbeitsort, nach Maroussi in Athen, strafversetzt.
Nachdem sie gegen die Kuendigung ihrer Mutter und ihrer eigenen Strafversetzung Klage eingereicht hat, wurde fuer den 5.Januar 2009 eine Treffen der Schiedskommision zwischen der Gewerkschaft und der Firma IKOMET anberaumt, um in diesem Arbeitskonflikt zu schlichten.

All dies ist nichts neues und uns wohlbekannt, was die Arbeitsbedingungen von MigrantInnen und Reinigungskraeften anbelangt( dazu gehoeren: gebrochene und gefaelschte Vertraege, Zu spaet – oder Nichtbezahlung der Loehne oder der Ueberstunden, fehlende Krankenversicherung und Beschaeftigung von MigrantInnen mit prekaerem Aufenthalsstatus).
Diese allseits bekannten Praktiken, vom griechischen Staat geduldet und unterstuetzt etablieren mittelalterliche Arbeitsverhaeltnisse.

IKOMET ist eine grosse Zeitarbeitsfirma, die Griechenlandweit operiert und Reinigungspersonal auch an andere Firmen weiterverleiht. Der Chef des Subunternehmens IKOMET, Nikitas Ikonomakis, der zugleich ein hohes PASOK-Mitglied ist, gibt an, offiziell 800 Arbeitnehmerinnen zu beschaeftigen, waehrend die Arbeiterinnen nach eigener Schaetzung von bis zu 3000 Beschaeftigten ausgehen. Allein im letzten Jahr haette sich die Zahl mehr als verdoppelt. Die Arbeiterinnen werden bei IKOMET gezwungen Blanko-Vertraege zu unterzeichnen, die sie nie zu Gesicht bekommen. Sie arbeiten bis zu 6 Stunden , bekommen aber nur 4, 5 Stunden bezahlt, damit sie in der Gesamtrechnung des Unternehmens unter dem steuerfreien Betrag liegen. (Aehnlich den Jobs auf 400 Euro/Basis). Sie werden am Arbeitsplatz terrorisiert, (sexuell belaestigt, wie eine Arbeiterin heute auf dem Plenum der BesetzerInnen erklaerte), gefeuert, strafversetzt und genoetigt und gezwungen, Kuendigungen zu unterschreiben. So wurde zum Beispiel eine Arbeiterin bei IKOMET fuer 4 Stunden von den Arbeitgebern in den Firmen-eigenen Raeumen als Geisel festgehalten, bis sie ihre eigene Kuendigung unterschrieb.

Der Chef des Unternehmens gruendete eine eigene von der Firma kontrollierte Gewerkschaft um die Arbeitnehmerinnen zu manipulieren und je nach Belieben anzustellen und zu feuern, um damit die Kommunikation und Organiserung der Arbeiterinnen zu unterbinden. (Die vom Unternehmen selbst gegruendete Gewerkschaft fungiert hier somit als “willfaehriges Instrument des Unternehmens”)

Wie ist die Beziehung zwischen ISAP und IKOMET ?
IKOMET hat Auftraege von ISAP und anderen oeffentlichen Institutionen erhalten, weil sie als Unternehmen ein billigeres Gesamtpaket als andere anbieten konnten, das heist eine hoehere Ausbeutung der Arbeiterinnen garantieren.
ISAP weiss um die miserabelen Arbeitsbedingungen und ist dafuer verantwortlich.
In der Vergangenheit wurde ISAP schon mehrmals von der Pan-Athenischen Gewerkschaft fuer RaumpflegerInnen in oeffentlichen und privaten Haushalten eben wegen genau dieser Arbeitsbedingungen verklagt.

Dieser moerderische Angriff auf Constandina laesst sich als Rache- und Abschreckungsmassnahme charaktersieren. Das Ziel ist nicht zufaellig. Sie ist Frau, Migrantin, alleinerziehende Mutter eines minderjaehrigen Sohnes und engagierte Gewerkschafterin- deshalb schien sie fuer die Arbeitgeber angreifbar und verletzbar.
Die Art und Weise des Angriffes war nicht zufaellig. Sie zeugt von Praktiken mittelalterlicher Rache und Bestrafung.
Der Zeitpunkt war nicht zufaellig. Waehrend die Medien, die Kirche, die Unternehmen und Gewerkschaftsbosse versuchen die Ermordung des 15 jaehrigen Alexis als Querschlaeger zu rekonstruieren und die darauffolgende “soziale Explosion” unterminieren und herunterspielen, schien der Angriff auf Constandina unterzugehen und nicht von so grosser Bedeutung zu sein.
Der moerderische Angriff auf Constandina war sorgfaeltig geplant. Constandina ist eien von uns. Ihr Kampf fuer Wuerde und Solidaritaet ist auch unser Kampf.
Der Angriff auf Constandina hat uns alle getroffen.

Wir erinnern an rassistische Pogrome, Abschiebegefaegnisse und Fluechtlingsknaeste, an Buergerwehren und parastaatliche Einheiten, an Arbeitsunfaelle an Arbeitsplaetzen, an Kuendigungen, an miese Arbeitsbedingungen, an staatliche Morde, an Anklagen und an die Kriminalisierung des Widerstandes und der Terrorisierung im Alltag.
All dieses zeigt den langen Weg des sozialen Kampfes und des Klassenkampfes.

In unserem Herzen flutet Trauer und Wut
Und es kommt uns nur eines ueber die Lippen :

Die Moerder werden bezahlen
Der Arbeitgeber-Terror wird ein Ende haben

Wir rufen zu einer oeffentlichenh Versammlung im ISAP- Gebaeude um 20.00 Uhr auf

Solidaritaets-Plenum Constandina Couneva 27.12.2008 Athen

Die in Klammern hinzugefuegten Erlaueterungen erfolgten von dem UebersetzerIn-Team zum besseren Verstaendnis des Gesamtzusammenhangs oder der aus Gruenden der Aktualisierung.

Fuer mehr Infos : siehe die Webseite der BesetzerInnen des IZAP-Gebaeudes-Athen

http://katalipsihsap.wordpress.com

Ein Aufruf aus Griechenland zur internationalen Solidarität

Eine Bande an Politikern und Jornalisten schwärmen herum und versuchen
sich unsere Bewegung zu nutze zu machen und ihr ihre eigne Rationalität
aufzudrängen. Sie sagen, dass wir rebellieren, weil unsere Regierung
korrupt ist oder weil wir mehr Geld und mehr Arbeit von ihr bekommen
wollen. Falsch.
Wenn wir Banken zerstören, dann darum, weil wir in ihrem Geld einen
Hauptgrund unserer Traurigkeit erkennen. Wenn wir die Schaufenster der
Läden zertrümmern, ist es nicht weil das Leben teuer ist, sondern weil
uns die Güter selbst am Leben hindern, unabhängig von ihrem Preis.
Wenn wir die polizeilichen Formationen angreifen, dann nicht nur um
unseren toten Kameraden zu rächen, sondern weil sie zwischen der Welt
und der Welt, wie wir sie uns wünschen, immer ein Hindernis sein werden.
Bild: Athen

Wir wissen, dass der Moment gekommen ist, indem wir strategisch denken
müssen. In diesen imperialen Zeiten, ist es uns klar, dass unser
Aufstand sich ausbreiten muss, um siegreich zu werden, zumindest auf
europäischem Niveau. Wir haben andere Bewegungen gesehen und von ihnen
gelernt: von den Gipfeltreffen IMF-G7, die auf globalem Level
beantwortet wurden, von den rebellierenden Studenten, von den
innerstädtischen Strassenkämpfen in Frankreich, von der Anti-TAV
Bewegung in Italien, von der Kommune von Oaxaca, von den Unruhen in
Montreal.
Von der Verteidung zur Offensive, wie die die in Ungdomshuset, in
Kopenhagen, sich wehren, wie die die die nationalistisch-republikanische
Zusammenkunft in den USA boykottieren…. eine lange Liste die immer
weiter läuft.

Genährt durch die Katastrophe sind wir Kinder aller Krisen, der
Politischen, Sozialen, Ökonomischen, Ökologischen. Wir wissen, dass
diese Welt bereits tot ist. Dass man verrückt sein muss, sich an ihren
Ruinen festzuklammern. Dass die einzige vernünftige Möglichkeit darin
liegt, sich selbst zu organisieren.
Hieraus wird auch die vollständige Ablehnung jeglicher Politik der
Parteien und Organisationen offensichtlich, da sie Teil der alten Welt
sind. Wir sind die schlecht behandelten Kinder dieser Gesellschaft und
wir wollen nichts von ihr. Das ist die letzte Sünde, die sie uns nie
verzeihen wird. Hinter den schwarzen Schaals, sind es wir, ihre Kinder.
Und wir haben uns organisiert.

Wir könnten niemals soviele Anstrengungen unternehmen, um das Materielle
dieser Welt zu zerstören, ihre Banken, ihre Supermärkte, ihre
Polizeistationen, wenn wir nicht wüssten, dass wir dadurch ihre
Metaphysik, ihre Ideale und Ideen und ihre Rationalität untergraben.
Die Medien beschrieben das Geschehene letzte Woche als einen Ausbruch
des Nihilismus. Was sie sich nicht zu sagen trauen ist, dass wir in dem
selben Prozess, diese Realität zu überfallen und zu vernichten, eine
höhere Gemeinschaftsform ausprobieren. Eine Gemeinschaft der
Mitbestimmung, eine höhere Form der spontanen und fröhlichen
Organisation in der die Basis für eine andere Welt gelegt wird.
Manche mögen sagen, dass unsere Revolte an ihre eignen Grenzen stossen
wird, aus dem einfachen Grund, dass sie nur Zerstörung schafft. Das wäre
die Wahrheit, wenn wir nicht, abgesehen von den Strassenkämpfen, für die
notwendige Organsation gesorgt hätten, die eine langlebige Bewegung
benötigt: Lagerräume für die geplünderten Sachen, die Krankenstationen
um unsere Verwundeten zu versorgen, die Medien, um unsere eigene Presse
zu veröffentlichen, unsere Radiostationen, unsere Kinos, unsere Leben.

In ganz Europa zittern die Regierungen. Sicherlich ist das, was sie am
meisten erschreckt nicht das Lautwerden auf den Strassen, was sich auf
lokaler Ebene reproduziert, sondern die Möglichkeit, dass die westliche
Jugend einen gemeinsamen Grund findet und sich erhebt, um dieser
Gesellschaft den Todesschlag zu verpassen.
Dies ist ein Ruf an alle die ihn hören:
Von Berlin nach Madrid, von London nach Tarnac, alles ist möglich.
Die Solidarität soll sich in Komplizenschaft verwandeln. Die
Konfrontationen müssen sich ausdehnen. Die Kommunen müssen ausgerufen
werden.
Damit die Dinge nie wieder werden wie zuvor. Damit die Ideen und die
Praktiken die uns verbinden sich in einen wirkichen Fortschritt verwandeln.
So dass wir weiterhin unregierbar bleiben.

Einen revolutionären Gruß an alle Kameraden auf dieser Welt.
An alle Gefangenden: Wir werden euch befreien!

Quelle: Indymedia Barcelona:
http://barcelona.indymedia.org/newswire/display/360578/index.php

Übersetzung: Paula

Source: http://de.indymedia.org/2008/12/237414.shtml

Bericht aus Griechenland (IMC Athens)

von http://de.indymedia.org/2008/12/237371.shtml

Übersetzung eines Berichts vom 24.12. in Griechenland
Grosse Solidaritätsdemo für die Festgenommenen durch die Einkaufszone. Die Besetzungen der Universitäten werden beendet und weitere Aktionen sind geplant.

Zur Solidemo für die Verhafteten am 24.12. war von anarchistischen Gruppen aufgerufen worden. Aber noch mehr Leute nahmen teil bzw. schlossen sich dem Protest an. Etwa 2000 Leute nahmen teil, die Demo war kraftvoll, aber friedlich. Sie ging durch die Einkaufszone Ermou und erreichte den Sintagmaplatz, drehte um und ging eine andere Strecke zurück. Es gab ein bischen Stress als sie an der Kathedrale von Athen vorbeikamen, aber da beschlossen worden war eine friedliche Demo durchzuführen, wurden nur Parolen auf das Gebäude gesprüht und Slogans gegen Staat und Priester gerufen. Die Aufstandsbekämpfungseinheiten der Poliezi waren hinter der Demo, treuten sich aber nicht näher zu kommen oder anzugreifen. Die Sprechchöre waren sehr einfallsreich und nicht nur gegen den Staat oder die Polizei sondern auch gegen den Konsumwahn und gegen diejenigen, die ihre Augen vor den Ereignissen weiter verschliessn und ihre Weihnachtseinkäufe machen als ob nichts geschehen wäre.
Photos: http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=955388

Die Festgenommenen warten in Gefängnissen auf ihre Prozesse (das kann Monate dauern) und veröffentlichten eine Erklärung, die zusammenfasst: „Unsere Körper mögen eingesperrt sein, aber unser Verstand und unser Geist ist mit denen, die draussen immernoch kämpfen.“

In der Poytechnischen Hochschule gab es heute (24.12.) eine neue Versammlung, die beschloss um Mitternacht die Besetzung zu beenden (aber nicht den Kampf). Die Besetzer/innen der Wirtcshaftsuniversität (ASOEE) haben ebenfalls beschlossen die Besetzung vorerst zu beenden und verlassen das Gebäude heute nachmittag, um sich an der Demo zu beteiligen.

Beide Besetzungen (zusammen mit der in der Jurafakultät) waren 18 Tage lang gehalten worden und hatten trotz regelmässiger Angriffe der Polizei eine sehr grosse Rolle in der Revolte gespielt. Der Kampf ist jedoch nicht vorbei und beide Versammlungen riefen alle dazu auf an der Demonstration am 27.12. teilzunehmen, zu der die Besetzer/innen der Gewerkschaftszentrale GSEE vor einigen Tagen aufgerufen haben ( http://www.ainfos.ca/de/ainfos02825.html).

In Alimos (Athen) haben Bürger/innen eine Bühne übernommen, auf der Weihnachtslieder gespielt werden sollten, und sie verlasen eine Stunde lang Erklärungen und ihre Forderungen betreffend der jüngsten Ereignisse, wie die sofortige Freilassung der während der Revolte Verhafteten, die Entwaffnung der Polizei, Auflösung der Aufstandsbekämpfungseinheiten und die Rücknahme der Anti-Terror-Gesetze.

In Volos wurde die städtische Radiostation besetzt, um über die Eregnisse und die Forderungen zu sprechen. In Lesvos haben Demonstrant/innen eine Bühne im Stadtzentrum aufgebaut, und übermitteln Nachrichten. In Ptolemaida wurde ein Weihnachtsbaum mit Bildern von Alexis, mit Protesten und Forderungen dekoriert, wie in Ioannina.
Photos: http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=955106

An der Brücke von Gorgopotamos (berühmt wegen ihrer Sprengung durch Partisant/innen im 2. Weltkrieg, um die Versorgung der Nazis abzuschneiden) wurde ein grosses Banner aufgehängt, auf dem steht: „Eure Toleranz auf eurer Couch ist Mittäterschaft“
Photos: http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=955036

Bezüglich des Vorfalls der Schüsse auf ein Polizeiauto wurde nun durch weitere Infos deutlich, dass es sich um eine Provokation handelt. Die Polizei stellte nach ballistischen Test fest, dass es sich um Schüsse aus zwei AK-47 handelte, nicht nur um eine Waffe! Sie sagen auch, dass der Angriff aus einem alten Pumpenraum auf dem Campus handelt, der vor einigen Monaten von Studierenden besetzt worden war. Dort wuren Projekte und Workshops durchgeführt zum Bau von Windgeneratoren, zur Wiederverwendung gebrauchter Materialien, Nutzung von OpenSource Software usw. Angesichts der Ereignisse der letzten Woche waren alle geplanten Veranstaltungen abgesagt worden und das Gebäude war seit Wochen nicht mehr benutzt worden. Diese beiden Tatsachen lassen alle noch misstrauischer werden, was die Motive dieses Angriffs angeht.

Neues aus Athen

Zwei Berichte von http://tearsandangergreece.blogsport.de/

24.12.2008, 15:09: heute Solidemo für die Gefangenen; Radio- und Zeitungsbesetzungen gehen weiter; Organisierung von unten wächst

Eine Solidemo für die Gefangenen ist für heute um 16:00 Uhr angesetzt, zu der das Komitee der ehemaligen Besetzer_innen des GSEE-Hauses aufrufen. Der Entscheidung der gestrigen, offenen anarchistischen Versammlung der Economics University zufolge wird diese Demo als eine Möglichkeit, das Gebäude geschlossen und sicher zu verlassen genutzt. Die Besetzungen der LawSchool und des Polytechnikums dauern jedoch an. Es sieht allerdings so aus, als wäre es Konsens, dass das Verlassen der Besetzungen notwendig ist, um die Revolte in die gesamte Gesellschaft zu tragen.
…wwelche sich bereits wie Feuer vebreitet: Gemeindegebäude und Rathäuser wurden in ganz Athen besetzt und überall in Athen und Thessaloniki gibt es mittlerweile offene Plena von Bürger_innen, „Popular Assemblies“ (λαϊκές συνελεύσεις) Einer der positivsten Aspekte der Revolte wird nun deutlich: Die Leute nehmen sich ihr Leben zurück, Straße für Straße, Platz für Platz, Viertel für Viertel. Es geht jetzt nicht um den Sturz der Regierung, um „offene Rechnungen“, um diffuse Forderungen, irgendwelche Rechtfertigungen. Die Leute auf der Straße fordern nichts; sie besetzen, sie organisieren sich,, sie wissen, dass es keinen Weg zurück zur Normalität gibt, das diese Normalität zu bekämpfen eine Frage von Leben oder Tod ist.
In der Stadt Volos wurde das örtliche Radio und die Regionalzeitung „Thessalia“ besetzt. Es gibt einen Aufruf zu einer Demo am Samstag, den 27.12.2008.
Wir gehen jetzt zur Solidemo-Berichte folgen!

23.12.2008 13:32: Polytechnikumsräumungs-Szenario wird schwächer; Polizei kommt auf Überwachungsmethoden aus der Dikaturzeit zurück; Studidemo beginnt bald

UPDATE, 19:41 Die Mainstreammedien berichten über 7 Schüsse auf den Bullenvan, nicht bloß 2. Eine Gruppe, die sich „Popular Action“ (Λαϊκή Δράση) nennt, hat sich zu der Aktion bekannt. Die Demo in der City von Athen hat vor einer Stunde geendet. Sie war an sich sehr erfolgreich und relativ friedlich; eine Bullenkarre wurde umgeworfen.
Nach einer ruhigen Nacht am Polytechnikum berichten die Mainstream-Medien (welche mehr als sonst den Boden für Bullenaktionen ebnen), dass eine Räumung des Polytechnikums eher unwahrscheinlich ist. Die Besetzer_innen haben erfolgreich ihr Recht darauf durchgesetzt, selbst zu entscheiden, wann sie das Gebäude aufgeben – dies wird heute Abend (Dienstag) um 18:00 passieren.
Es gibt Berichte von Indymedia und von den offenen Versammlungen an den Besetzungen, dass die Cops Taxifahrer bitten, ihnen Infos über ihre Fahrgäste zu geben, wie während der Zeit der Diktatur 1967-1974. In einem Fall wurde eine Frau, die sich in einen der Aussenbezirke Athens bringen lassen wollte, von einem Taxi direkt zu den Cops gefahren. Glücklicherweise bemerkte sie dies früh genug und konnte an einer Ampel aus dem Fenster flüchten.
Ausserdem berichten die Mainstream-Medien von 2 Schüssen auf einen Riotcop-Van, um 5:50am im Bezirk Goudi/Athen, gleich in der Nähe des Campus Zografou; eine Kugel traf einen Reifen, die andere drang in den Motorraum.
Die letzte Demo für dieses Jahr beginnt demnächst. Es gibt bereit einen Aufruf zu einer Demo am 9. Januar und weitere Demos für das nächste Jahr sind in Planung.
Es wird erwartet, dass die anarchistischen Besetzungen der drei Unis in Athen ((Economics, Polytechnic und Law school) diese Woche noch beendet werden, weil die Ermüdung ernsthaft um sich greift in diesem 17-tägigen, von vornerein unbefristeten Besetzungen. Aktionen wird es natürlich weiterhin geben – momentan geht es vor allem darum, die Revolte zu verbreiten, und alle haben ihren Fokus darauf. Wir sollten einen besseren Überblickt über die Zukunft haben, wenn die dieswöchentlichen Versammlungen abgehalten sind.

Bericht aus Patra von 22.12.08

Ins Deutsche übersetzte Mail einer griechischen Freundin

GEWALT: Das ist der wahre Titel dieser E-Mail, weil…

Ich kenne die Anschuldigungen gegen uns, „die jungen Radikalen, die die Toleranz ausnutzen und ohne es zu merken Werkzeuge für globale Agenten werden, die den Aufschwung des globalen Faschismus beschleunigen wollen …“

Also, ich bin, so weit ich weiß, keine Agentin. Und ich will nicht den globalen Faschismus.
Jetzt, lass uns Gewalt definieren.

Weil ich immer alle über Gewalt gegen die Bullen und andere Symbole des Kapitalismus reden höre, aber nur wenige sprechen von der Gewalt der Bullen, der Gewalt der Armut, der Gewalt der Arbeitslosigkeit, der Gewalt der Schule, der Gewalt des Wettbewerbs, der Gewalt der Umweltverschmutzung, der Gewalt des Hungers, der Gewalt des Terrorismus, usw. Ich höre von der Gewalt des Chaos, aber kaum von der Gewalt der Ordnung. Ich höre von der Gewalt des Hasses, aber nicht von der Gewalt der Liebe.

Ich verstehe, dass Gewalt ein Weg ist, Menschen zu benutzen. Kann ich, dass Menschen Menschen benutzen, beenden ohne Gewalt? Kann ich die Gewalt beenden ohne Gewalt? Und ich weiß, dass das Ziel nicht die Mittel rechtfertigt…
[..]

Weißt du, es ist schwer zu philosophieren auf der Flucht. Ich zumindest finde es schwer, zu denken, wenn 200 Faschisten mit Messern mich jagen oder wenn meine Lungen voller chemischer Gase sind. Es ist schwer, den Überlebensinstinkt zum Denken zu bringen.
Trotzdem gibt es nicht nur den Instinkt zu überleben, sondern auch den Instinkt zu leben. Und dieser Instinkt, der zur Freiheit gehört, kann selbst denken. Das Ergebnis ist Spontaneität.

Ich bin nicht sicher, warum so viele Leute das Spontane fürchten. Seit diesen Tagen finde ich das Spontane viel schöner und mysteriöser als das Erwartete.

„Freiheit ist für die Freiheit zu kämpfen“ (sagte einer der Polen, die gestern angekommen sind… und aus einem besetzten Haus in der Schweiz kamen)

A.